17. November 2017

Das Bloggen im Allgemeinen / Bloggeburtstag

Hallo ihr Lieben,

es ist der 17. November 2017.
Der erste Eintrag auf diesem Blog ging vor genau 4 Jahren online.
Etwa ein halbes Jahr nachdem ich zuhause ausgezogen bin und meine Ausbildung angefangen habe.
Es ist immer wieder faszinierend, in alten Blogposts zu lesen und zu merken, dass man in der Chronologie doch immer wieder durcheinander kommt. Mit meinem Blog kann ich nachvollziehen, dass ich mit 20 Jahren mein Abitur gemacht habe, meine Therapie abgebrochen habe, nach Münster ging und anfing, mir ein Leben aufzubauen.
Grad letzte Woche bin ich 25 Jahre alt geworden, und ich kann sagen:
Ich bin ein anderer Mensch geworden, so fühlt es sich jedenfalls an.
Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben, eher über die Entwicklung meines Blogs.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere von euch noch daran, dass ich vor einem halben Jahr schon einmal darüber nachgedacht habe, welchen Content ich hier gerne hätte. Geändert hat sich seither nichts, außer eventuell mal das Design :)
Aber erst einmal können wir ja mal in die Geschichte eintauchen, die Geschichte dieser Seite.
Das kann man durchaus mal machen, am 4. Geburtstag, finde ich-
und wer weiß, vielleicht kann ich am 5. Geburtstag schon mal festhalten, wie viel ich von der Zukunftsmusik tatsächlich verwirklicht habe?





Vergangenheit des Blogs

Hmm... ich glaube, ich habe meinen Blog immer als eine Art Tagebuch gesehen- und auch so genutzt. Am Anfang eher nur, um Negatives los zu werden. Ich brauchte einen Platz, um mich auszukotzen. Meine Gedanken und Gefühle rauszulassen.
Viele dieser Posts kommen mir mitlerweile komisch vor. Es ist interessant, wie viele Fragen sich mit der Zeit von ganz allein beantwortet haben, oder wie viele damals so existenzielle Fragen ich heute für mich beantwortet habe. Und wie klein die Probleme geworden sind, die am Anfang mein Leben bestimmt haben.
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Gegenwart des Blogs

Um mal ein paar Zahlen einzubrinen:
Bisher habe ich 338 Posts veröffentlicht, habe 51 Follower und 606 Kommentare von euch bekommen ♥ Danke dafür. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, zu wissen, dass es Menschen gibt, die lesen, was ich da so von mir gebe... unbeschreiblich gut.
Ich habe viele tolle Menschen kennen lernen dürfen, in den letzten 4 Jahren. Viele kamen und gingen, einige begleiten mich bis heute. Dazu gehören Lucia Lilly, Luisa und Izzy.
Wenn sie es nicht mit Worten hier tun, dann vielleicht privat, oder durch die Inspirierenden Gedanken, die mir mit auf den Weg gegeben wurden. Luisa schreibt nicht mehr aktiv, aber vielleicht lohnt es sich für den ein oder anderen, in ihren alten Posts zu schmökern?

Danke für eure Worte, danke für eure Zeit.
Zeit ist kostbar.
Doch eure Zeit hier bedeutet, dass ich nicht ins Leere schreibe, und dafür bin ich sehr dankbar.

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Fragen der Vergangenheit:
"Kann ich jemals mit meinem Leben zufrieden sein, auch ohne den perfekten Körper?"
- Ja. Definitiv ja. Zufriedenheit ist kein Dauerzustand, aber es gibt Momente, in denen bin ich glücklich, und da ist es völlig egal, ob die Waage gerade 58 oder 63 kg anzeigt.

"Warum sind alle anderen immer besser als ich?"
- Das stimmt gar nicht, es gibt so vieles, dass ich besser kann als andere.
Jeder Mensch hat seine Begabungen und Talente. Man muss nur aufhören, sich selbst klein zu machen. Jaja. "Nur" :D

"Warum bin ich so faul, scheiße, dick und hässlich?"
- Ja. Sehr konstruktive Kritik. Weiß ich selber.
Es kommt nur schlicht und einfach nicht darauf an, wie hübsch mich andere finden, vielleicht kommt es auch gar nicht darauf an, wie hübsch ich wirklich bin. Vielleicht braucht es einfach nur ein gewisses Maß an Selbstliebe. Und darüber habe ich schon mal einen Post geschrieben. Hübsch sein hat auch viel mit Persönlichkeit zu tun.

Ich kann mir viele Dinge selbst erklären, ich bin selbst reflektierend und entspannter geworden.
Schon allein das hilft mir, mich selbst positiver zu sehen und mich auf meinem Weg immer weiter zu gehen.
Mir geht es so gut, allerdings kann man auch keine 5 Posts im Monat darüber schreiben, wie gut es geht. Kann man schon, tut man aber nicht :D
Deshalb möchte ich ein bisschen Abwechslung reinbringen irgendwie...





Zukunftsmusik
Leider ist es momentan sehr still. Hier auf meinem Blog genauso wie auf vielen anderen. Viele Blogger haben sich entschieden, sich wo anders auszuleben, auf Youtube, auf Instagram, oder irgendwo offline. Wer weiß?
Ich weiß, dass ich das Schreiben mag, ja sogar brauche. Dieser Blog war immer eine Art Ventil für mich und soll unbedingt weiter existieren. Als kreative Spielwiese, zum Ausprobieren von Dingen und als Möglichkeit, Privates zu verarbeiten. Und vielleicht schaffe ich es, andere zu motivieren oder zu inspirieren. Aber das soll nicht das Ziel sein, denn beim Schreiben, beim bloggen, da kommt es eher auf den Weg an. Da passt dann endlich mal dieser Spruch: Der Weg ist das Ziel.

Und für diesen Weg stecke ich voller Möglichkeiten und Ideen. :) Also auf zu neuen Ufern und alten Häfen!

♥ Ich möchte mehr eigene Fotos einbringen
♥ mehr Platz für Kreativität finden, Zeichnungen einbringen, meine Leseleidenschaft mit euch teilen eventuell findet ja auch das ein oder andere Rezept einen Weg auf diesen Blog? (wo ich doch neuerdings total viel koche und ausprobiere, mehr als jemals zuvor :D
♥ Ich möchte mit mit Themen auseinandersetzen, die mir am Herzen liegen, die mich interessieren und mich weiterbringen.

♥ ich möchte Inspirierendes teilen
♥ ich möchte den Kontakt zur Bloggerwelt und zu euch nicht verlieren, eventuell wieder mehr aufleben lassen, mal schauen, ob es da eine Möglichkeit gibt
♥ ich möchte meine Erkenntnisse mit euch teilen

Das ist die Vergangenheit und die Gegenwart. Der erste Eintrag stammt vom 29.11.10
Die Kastanien von diesem Herbst.
Wer weiß, was dort nächsten Sommer liegen wird?

Ihr Lieben, ich kann nur Danke sagen!
Danke für eure Unterstützung und Danke für euer hier- sein. 
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Eure Neva 

3. November 2017

Gedanken im Oktober

Wenn mein Blick dieser Tage aus dem Fenster fällt, begegnen ihm immer andere Bilder.
Jeden Tag sehen die Blätter an den Bäumen anders aus, oder ganz allgemein, sehen auch die Bäume anders aus. Anders kahler. Düsterer. Nackter.
Und trotzdem scheint die Sonne.
Oder es stürmt.
Aber meistens scheint die Sonne. Lacht uns Menschen aus, weil wir uns wieder einmal von der Zeit haben veräppeln lassen.
Es ist Herbst geworden. In Berlin genauso wie in Münster.
Das Gelb leuchtet, die Sonne leuchtet. Der Ofen leuchtet.
In die Kälte hinein.
Aber es ist nicht kalt. Nicht hier, in mir.
Es ist warm.
Gut drei Monate lang kennen wir uns jetzt, und auch im Oktober haben wir uns zweimal getroffen, mein Herzensmensch und ich.

Ich denke an so vieles, mein Kopf ist seit Wochen nicht mehr leer.
Okay, wenn so Vieles davon positiv ist:

Zukunftsmusik,
Post- Ideen,
Lieder,
Inspirationen,
Liebe
Leben.

es gibt auch Verwirrung,
Sorgen,
Ängste,
Unbekanntes.

Aber das ist okay, solange ich weiß, dass es tief in mir drin ganz warm ist.
Warm genug, damit mir der kalte Herbstwind nichts anhaben kann.
Und auch der Himmel nicht, der bald wie eine Zimmerdecke über der Welt liegen wird.
Aber diese Decke kommt niemals runter.
Zumindest in den letzten 24 Jahren nicht.
Nur habe ich in den letzten 24 Jahren nie verstanden, warum die Jahre immer schneller vorbei gehen.
Wieso es plötzlich wieder November ist und das nächste Jahr sein Ende findet.





8. Oktober 2017

Und dann fährt man plötzlich seinen ganz eigenen Film...




It´s too late now
to stop the process.
This was your choice,
you let it in.
This double life you lead
is eating you up from within
A thousand shards of glass
you pushed beneath my skin
left me lying the to bleed.
                                         - Broken pieces - Apocalyptica


Jetzt gerade habe ich das Bad geputzt. Eine erstaunlich entspannende Tätigkeit, wenn ich an den Stress diese Woche denke. 
Ich habe mir diese Putzschicht allerdings auch sehr angenehm gestalten können, mein Mitbewohner war nämlich nicht da. Also habe ich mir meinen iPod genommen, alte Musik gehört und laut (und schief) mitgesungen :)

Triggerwarnung Essstörung

Dabei ist mir dieses Lied untergekommen: "Broken Pieces - Apocalyptica".
Besonders die oben stehenden Zeilen habe ich immer stark mit der Dunkelheit in mir verbunden, den kranken Teil von mir. 
Weil. Naja. Gerade diese essgestörte Zeit in meinem Leben, die hätte es wohl nicht gegeben, wenn es in mir nicht die Entscheidung dazu gegeben hätte, jetzt auch zu diesen Mädchen zu gehören, die so verloren und alleine auf Blogs und in Foren nach Gesellschaft oder Zusammengehörigkeit gesucht haben. Es gab Monate, in denen ich jeden Tag auf so einem Blog gelesen habe, ich habe ständig nach Twins bzw. Abnehm-Challenges gesucht. An eine davon erinnere ich mich noch gut. 
Sie ging 3 Wochen, wir waren 6 Mädchen, und Ziel war einfach, jede Woche 2 kg abzunehmen.
Ich erinnere ich mich so gut, weil ich noch bei meiner Mutter wohnte. Wir haben Mittags immer zusammen gegessen, manchmal auch Abends. 
Das Frühstück konnte ich also immer ausfallen lassen, aber ich war einfach so in diesem Challenge Wahn, dass ich dann das Mittagessen auch oft wieder erbrochen habe. 
Das "Problem" war halt immer, dass wenn ich einmal etwas zu essen vor mir stehen hatte, dann habe ich es gegessen. Und irgendwie sogar genossen. Und deswegen habe ich mich dann gehasst. 
Am Ende dieser Challenge hatte ich 4 statt 6 Kilo abgenommen, war mit 52 kg immer noch "die Dickste", das Mädchen, dem man niemals angesehen hätte, das etwas nicht stimmt. Und ja. Deshalb habe ich mich noch mehr gehasst. 
Ich konnte im normalen Leben schon nicht perfekt sein. Und in dieser Parallelwelt, die ich mir mehr oder weniger selbst ausgesucht habe, da konnte ich es auch nicht. Ich fühlte mich wie ein Versager. 
Etwas früher wurde ich von vielen Menschen verlassen, und eventuell habe ich das unterbewusst in Verbindung gebracht. 

Dass ich verlassen werde, weil ich unperfekt bin. Zumindest passt das zu den Grundüberzeugungen und Gedanken, die ich noch heute oft in Situationen mit Menschen habe, die mir am Herzen liegen.
Dass ich verlassen werde, wenn ich nicht gut genug bin. Dass ich entweder krank oder perfekt sein muss, damit Menschen mich lieben und für mich da sind. 

Triggerwarnung Ende

Im Moment liebe ich Regenbögen, sie erinnern mich an einen ganz besonders schönen Tag. 

In der Therapie kommen wir immer wieder auf diese Grundüberzeugungen. Gefühlt drehen wir uns im Kreis, kommen immer wieder zu meiner Wunderlösung, mir selbst Zeit zu geben, meine Bedürfnisse nicht unter die von anderen zu stellen. Leben, weitermachen, Beweise sammeln. Dafür, dass meine Grundüberzeugungen nicht stimmen. Wir lachen manchmal schon darüber, dass ich diese Wunderlösung kenne, schon so oft angewendet habe, und dann, plötzlich, scheint sie unerreichbar, weil meine Unsicherheit mich anschreit: NEIN NEIN NEIN, das darfst du nicht, das ist schwach, oder egoistisch oder schlicht und ergreifend unperfekt.

Manchmal fühle ich mich lächerlich, dass wir immer wieder an den gleichen Punkt kommen. Dass es mir so schwer fällt, mit so einfachen Dingen wie einem Gedanken umzugehen. 
Am Ende der letzten Stunde hat sie gesagt: "Es ist eben nicht so einfach, weil diese Grundüberzeugungen so viel hartnäckiger sind, als neue, schöne Erfahrungen. Das Schlechte ist immer Hartnäckiger, aber Sie haben schon so viel geschafft seit Sie hier her kommen. Und haben gelernt, das gute Dinge Zeit brauchen. Also ist doch alles gut. Sie müssen sich das nur glauben. Viel Spaß mit Ihrem blauen Glück" (draußen schien die Sonne plötzlich :D
An dem Tag bin ich hingegangen, und war kurz vorm Weinen, weil ich so voller Gefühle war, dass ich am liebsten wieder meine  Leere gehabt hätte. 
Rausgegangen bin ich erleichtert. 
Weil ich wusste. 
Dass es weitergeht. 


Ihr wisst jetzt langsam bestimmt, dass es da jetzt eine "Liebste" in meinem Leben gibt. Die Zeit mit ihr ist einfach wundervoll. Wunder-voll.
Sie hat mir schon einige Male bewiesen, dass ich doch lieben kann. Dass ich plötzlich von einem Gefühl durchdrungen sein kann, dass mir auf positive Art und Weise die Luft zum Atmen nehmen kann. 
Aber die braucht man ja nicht, wenn man ein Fisch ist. 
Nur manchmal werde ich ein Igel. 
Wenn sie mich anstubst, mit einem Satz, mit einem Blick. Mit etwas, was meine Stärke bröckeln lässt. Weil sie einen Gedanken anspricht: 

"Ich mache das hier gerade nicht Richtig. Etwas habe ich falsch gemacht."

Ich bin kaum kritikfähig, innerhalb von kürzester Zeit schalte ich ab, mache dicht, aus Selbstschutz, weil die Angst kommt. Die Angst plötzlich verlassen zu werden. Ich kugel mich ein. Bis die Gefahr gebannt scheint. Oder ich fange an zu weinen und werde eine Dramaqueen. Oder ich werde gar eine Zicke.
Ich weiß dann in der Situation manchmal schon gar nicht mehr, warum das jetzt passiert ist, warum ich mich fühle, als hätte jemand Watte in mein Gehirn gestopft. Und doch sitzt da dein Kommunikationspartner und wartet auf eine Antwort, einen Satz, irgendeine Reaktion.
Manchmal auf eine Reaktion auf etwas, an das ich mich gar nicht mehr erinnern kann. 

Genau das ist gestern passiert. Das glaube ich zumindest. Das Gute von meiner Seite war: Ich hab wenigstens nicht aufgelegt :D Ich habe versucht, mich der Situation zu stellen. 
Das Gute von ihrer Seite war, dass sie weiter nachgefragt hat. Bis ich irgendwann versucht habe, ihr die Sache zu erklären. Das war vielleicht nicht das schönste Gespräch, das wir in letzter Zeit hatten, aber doch hoffe ich, dass ich daraus lernen kann. Weitere Dinge, wie wir miteinander reden können. 
Sie weiß jetzt, dass es da meine Grundüberzeugungen gibt, die mir sagen, was ich tun sollte, und dass es manchmal schwierig ist, das zu tun, was ich möchte, weil das eben nicht zusammenpasst.

Und ich weiß jetzt, dass ich AUF KEINEN FALL vor diesen Gesprächen weglaufen sollte, dass die sogar nötig sind, wenn man eine Beziehung führen möchte. 

Auch dazu hat meine Therapeutin etwas gesagt (jaah, sehr ergiebige Stunde letztes mal :D):
"Wenn ich so an ihre ersten Stunden hier denke... das war schon ein ziemliches rumgeeiere. Bis Sie sich mal entschieden hatten, dass Sie mir vertrauen können und dass Sie richtig gehandelt hatten mit Ihren Problemen so nicht mehr weitermachen zu wollen, das hat ja schon ewig gedauert. 
Vielleicht ist es mit ihrer Freundin das Gleiche. Vielleicht müssen Sie erst lernen, dass Sie Sie selbst sein können, ohne dass Ihnen der Kopf dafür abgerissen wird. Müssen vertrauen lernen und erst dann können Sie RICHTIG anfangen, diese Beziehung zu führen und zu gestalten."


Soo. Das waren jetzt viele Worte. Dinge, die mich momentan jeden Tag beschäftigen. Aber auch beschäftigen sollten, gerade die Wunderlösung :)
Und danke für diese Worte, die mir geschenkt wurden. Sie bedeuten mir sehr sehr viel:


"Und ich will ja das da. Und keine perfektionierte Version davon."

Eure Neva